Georges Hausemer
GEORGES HAUSEMER
Die Insekten von Professor Pulido
Fiktionen, Plagiate und Irrfahrten
durch Vororte von Madrid
"Man muß natürlich an allem Interesse haben,
ob groß oder klein, sonst kann man's gleich unterlassen."
M. Bibieuff: Tagebuch meiner Weltreisen, 1889
"Wetten, daß es hier keinen ordentlichen Whisky zu kaufen gibt", sagte Alfonso Piñas an jenem Februarabend zu seiner Frau, die gelangweilt im Bordmagazin blätterte. Das Paar saß auf der anderen Seite des Gangs und hatte sich sofort nach dem Abflug eine Flasche Rotwein bringen lassen. Die Söhne der beiden machten sich auf einer ganzen Reihe von Sitzplätzen breit und turnten darauf herum, als wären es Trampoline. Es waren dicke Kinder, die herumkreischten und mit den dünnen Schaumstoffkissen aufeinander warfen. Ihre Eltern ließen sie gewähren. Eigentlich hatte Sonja, meine Begleiterin, die Zeit im Flugzeug nutzen wollen, um in dem Buch über den spanischen Bürgerkrieg zu lesen, das sie sich von einer Bekannten ausgeliehen hatte. Mißmutig stellte sie nun fest, daß daraus vermutlich nichts werden würde.
Die Maschine stieg langsam in die Wolken über Brüssel. Kurz nach 20 Uhr sollten wir in Madrid landen. Bald wurde das Abendessen serviert. Alfonso bestellte die nächste Flasche Rotwein. Wie hypnotisiert schaute er den Stewardessen nach, die durch den Gang liefen. Mit seinem Schnurrbart und den fettigen schwarzen Haaren sah er aus wie ein Flamenco-Sänger. Seine Frau bat um eine Wolldecke. Die Kinder schoben Spielzeugautos, die nagelneu und nicht gerade billig aussahen, über den Teppichboden.
Nachdem auch Sonja sich in eine Decke gehüllt hatte und ein wenig zu schlafen versuchte, bot Alfonso Piñas mir ein Glas Rotwein an.
"Sie sind keine Touristen, habe ich recht?" sagte er. "Im Winter zieht es nicht viele Ausländer nach Spanien. Und schon gar nicht nach Madrid."
Ich erklärte ihm, daß wir beruflich unterwegs seien, im Auftrag einer luxemburgischen Wochenzeitung. "Tatsächlich!" stellte Alfonso fest und begann, von sich zu erzählen. Seinen Beruf gab er mit Night Club Impresario an. Er hatte die letzten Monate in Paris verbracht, um sich über die französischen Etablissements zu informieren. In Brüssel hatte er einen Kollegen besucht, wie er ein gebürtiger Spanier.
Die Lebensgeschichte von Alfonso Piñas war in einem Zeitschriftenartikel zusammengefaßt. Er hatte ihn aus einer italienischen Illustrierten ausgeschnitten und trug ihn immer bei sich. Mit einem gewissen Stolz zog er die leicht vergilbten, an den Rändern ausgefransten Seiten aus der Innentasche seines Jacketts und faltete sie auf den Knien auseinander. Er hielt sie mir über den Gang hin, ohne sie aus der Hand zu geben. Es ging darin um die Eröffnung eines Nachtclubs in Neapel. Zur Illustration des Artikels hatte man eine ganze Reihe Fotos veröffentlicht. Darauf war mein Gegenüber in verschiedenen Phasen seines Lebens zu sehen. Hastig wanderten seine Finger über den Artikel. Zwischendurch nahm er immer wieder einen Schluck Rot-wein und füllte unsere Gläser nach.
Als seine beiden Söhne zur Toilette mußten, steckte er den Artikel ein und begleitete sie. Ich nutzte die Gelegenheit, um den Kopf in den Nacken zu legen und die Augen zu schließen. Sonja rührte sich nicht.
Einige Minuten später kehrte Alfonso mit einer Whiskyflasche unter dem Arm an seinen Platz zurück. Die beiden Buben begannen erneut auf den Sitzen zu hüpfen. Ihr Vater studierte das Flaschenetikett und schien vergessen zu haben, daß wir uns zuvor miteinander unterhalten hatten. Erst beim Anflug auf Madrid erinnerte er sich an mich und überreichte mir seine Visitenkarte. "Auf daß das Schicksal den richtigen Sieger bestimmt", rief er Sonja und mir hinterher, als wir das Flugzeug verließen. Mir war nicht sofort klar, daß er die anstehenden Wahlen meinte.
In Madrid regnete es in Strömen. Sowohl für Sonja als auch für mich war es der erste Besuch in der spanischen Hauptstadt. Der Geruch dieses Landes, den ich von früheren Reisen in andere Gegenden kannte, stieg mir sogleich in die Nase. Wir stiegen in ein Taxi, dessen Fahrer Tomás Valiente hieß. Sein Name stand, neben seinem Foto, auf einem mit Plastik überzogenen Schild, das über dem Taxameter befestigt war.
Erst nachdem wir das Flughafengelände verlassen hatten, bemerkten wir plötzlich das Kind, das reglos auf dem Beifahrersitz des Opel Kadett lag. "Meine Tochter Nativel", sagte Tomás mit einem verschmitzten Blick in den Rückspiegel, "ich hoffe, sie stört sie nicht." Als das Kind seinen Namen hörte, hob es den Kopf und sah uns neugierig an.
Ich erkundigte mich bei Tomás über die Stimmung im Land. Die kleine Nativel öffnete das Handschuhfach und zog einen Schokoladenriegel hervor, mit dem sie die Auto-scheibe verschmierte. "Bueno, Señor", sagte ihr Vater nach kurzem Zögern, "ich bin nicht der richtige Mann für eine derartige Frage. Ich bin nur ein Taxifahrer, ein Arbei-ter."
Auch in Spanien war das Wetter Tagesgespräch. Am nächsten Sonntag würden die Parlamentswahlen stattfin-den, seit Ende Dezember hatte es nicht mehr aufgehört zu regnen. Ein Winter wie seit Jahren nicht mehr. Tomás erzählte von der Familie seines Onkels, der in der Nähe von Sevilla lebte. Der Keller von dessen Haus hatte innerhalb von fünf Wochen viermal unter Wasser gestanden - "que catástrofe!" Nativel war mittlerweile erneut eingeschlafen und lag mit dem Kopf auf dem rechten Oberschenkel ihres Vaters. Die Schokoladenspuren und das wirr ins Gesicht hängende schwarze Haar wirkten wie eine Kriegsbemalung. Die Stimmen und Gitarrenklänge aus dem Autoradio, das ihr Vater eingeschaltet hatte, schienen sie nicht zu stören.
Sonja hielt ihre Fototasche auf dem Schoß und be-trachtete stumm die vorbeiziehenden Häuserzeilen. Vor zahlreichen Fenstern flatterten tropfende Wäschestücke. Wir passierten Lagerhallen, Kräne, Gebäude mit schadhaf-ten Dächern. Ich hielt Ausschau nach Plakaten und anderen Hinweisen auf die baldigen Wahlen, sah in einigen Seitenstraßen aber nur ein paar schäbige Flaggen, die in der glitzernden Dunkelheit einen stumpfen Glanz ausstrahlten. Der Geruch, der sich im Wageninneren ausbreitete, war eine Mischung aus Feuchtigkeit, Moder, Abgasen und Kinderatem.
Wir gerieten mitten in den Feierabendverkehr. Ich sorgte mich weniger um uns als um die kleine Nativel. Ihr Vater wechselte mit großer Geschwindigkeit die Fahrbahn und fuhr Slalom, als befände er sich auf einer Skipiste. Zum Glück hatte der Regen ein wenig nachgelassen. Als Tomás plötzlich eine Vollbremsung machte, rutschte das Kind jäh vom Beifahrersitz und schlug um ein Haar mit der Stirn gegen das offenstehende Handschuhfach. Es lachte so über-zeugend, als bereite dieser Fahrstil seines Vaters ihm großen Spaß. Tomás strich ihm mit der rechten Hand über den Kopf und warf einen verständnisheischenden Blick in den Wagenfond.
Vor uns blinkten bunte Lichter inmitten einer Menschenansammlung auf. Die Menge teilte sich, um zwei Sanitäter mit einem Verletzten auf einer Tragbahre durchzulassen. Eine alte Frau in einem zerrissenen Kleid humpelte hinter ihnen her. Sie trug keine Schuhe und drückte ein blutgetränktes Taschentuch gegen ihr Gesicht. Dahinter sah man ein zu Schrott gefahrenes Auto, aus dessen Tür ein Körper hing, der wie eine Puppe aussah.
Tomás fluchte. Wir hatten keine Ahnung, wie weit es bis Pozuelo noch sein würde. In Pozuelo, einer westlich von Madrid gelegenen Kleinstadt, die unser Reiseführer nicht erwähnte, lebte Federico Moscoso. Federico war bis Ende 1995 als Finanzexperte einer spanischen Ölgesellschaft in Brüssel tätig gewesen. Angeblich, so Sonja, verfügte er über gute Kontakte zur Partei von José María Aznar. Dessen konservativem Partido Popular wurde laut Meinungsumfragen ein überwältigender Wahlsieg vorausgesagt. Man hatte Sonja und mich nach Spanien geschickt, um über eben diese Prophezeiungen zu berichten, über die Zeit vor den Wahlen am 3. März. Unsere einzige Vorgabe: Wir sollten die Großstädte meiden, uns auf das Atmosphärische in den Vororten konzentrieren. Wir hofften, daß Federico uns bei unseren Recherchen behilflich sein
könnte, uns die nötigen Kontakte vermitteln würde. Sonja hatte ihn im vergangenen Sommer im Auftrag eines belgischen Nachrichtenmagazins porträtiert.
Bevor die Menschenmenge die Lücke wieder schloß, fuhr Tomás hinter dem Krankenwagen her. Dann raste er wie wildgeworden durch die ungemütliche Nacht. Nativel gluckste und klammerte sich an den Rest ihres Schokoriegels. Mein Unbehagen wuchs. Ich versuchte, meine Angst mit vagen Gedanken an die kommenden Tage zu überlisten. Wir schwiegen. Ab und zu schaute ich, aus den Augenwinkeln, zu Sonja hinüber. Ich sagte mir, daß Fotografen häufig sehr mutig sein müssen, vor allem Fotografinnen. Minutenlang rührte die kleine Nativel sich nicht. Auf einmal roch es nach Erbrochenem.
Im ersten Moment, als er uns auf der Türschwelle begrüßte und meine Begleiterin sich vorstellte, konnte Federico Moscoso sich nicht an eine Fotografin aus Brüssel erinnern. Sonja erklärte ihm, was uns um diese Jahreszeit nach Spanien führte.
Hinter uns stand Tomás, und hinter Tomás stand die kleine Nativel und machte ein weinerliches Gesicht. Ihr Vater hielt unsere Koffer so fest in den Händen, als hätte er sie soeben gestohlen. Federico sagte etwas zu ihm, das wir nicht verstanden. Mit einer abrupten Bewegung setzte To-más die beiden Gepäckstücke nieder und stopfte vermessen die Hände in die Hosentaschen. Nativel begann leise zu jammern und krallte sich mit den beschmierten Fingern an das Hosenbein ihres Vaters. Wegen des Unfalls, der uns aufgehalten hatte, kam es zu einer kleinen Meinungsverschiedenheit. Tomás verlangte einen Zuschlag auf den normalen Fahrpreis. Unser Gastgeber jagte ihn und seine Tochter förmlich davon.
Am späteren Abend tranken Sonja und ich eine Fla-sche Rioja, während wir uns The Man Who Collected Bones ansahen. Es war ein Videofilm, den Federico uns spaßes-halber gegeben hatte, da er auf eine Party mußte. Der Film handelte von einem Amokläufer in den achtziger Jahren in den USA, der seine Opfer in eine mit Säure gefüllte Badewanne legte. Anschließend säuberte er die übriggebliebenen Knochen und verstaute sie in seinem Kleider-schrank. Es sah aus, als wäre er in der Skelettabteilung eines naturhistorischen Museums beschäftigt. Ich fragte Sonja, ob sie Lust hätte, mich auf einen kurzen Spaziergang durch Pozuelo zu begleiten. Es war schon spät, Sonja fühlte sich müde. Als der Amokläufer sich, mit einer Kettensäge bewaffnet, auf die Suche nach einem neuen Opfer machte, stellte ich den Apparat ab.
Seltsamerweise waren die Straßen des Viertels, in dem Federicos Wohnung lag, ausgestorben wie die Plätze und Straßen jeder Provinzstadt am Abend eines Sonntags im Winter. Da und dort brannten Lichter, doch die Bürger-steige waren menschenleer. Auch Autos waren kaum unterwegs. Eine seltsame, erwartungsvolle Stille. Ich genoß die Einsamkeit. Es hatte aufgehört zu regnen, ein beinahe schwüler Wind blies um die Häuserecken. Ich brauchte Zeit, um mich an die neue Umgebung, das fremde Gefühl für die Nacht zu gewöhnen. Ich mußte mir überlegen, wo ich mit meinen Recherchen beginnen sollte.
Am Rand einer verwahrlosten Grünanlage, deren Wiesen lange nicht mehr gemäht worden waren, betrat ich eine Bar. An der Wand hinter der Theke hing ein großfor-matiges Bild. Ich erkannte mehrere Boote, die auf hoher See einen Halbkreis bildeten. In jedem Boot standen Männer, die mit bloßen Armen ein Netz aus dem Wasser hoben. In dem Netz hatten sich große, dunkelblaue Fische mit helleren Köpfen verfangen. Erst bei näherem Hinsehen stellte ich fest, daß es keine Fische, sondern seltsame Wesen mit Frauengesichtern und langen, nassen Haaren waren.
Die Männer, die sich an den Tresen drängten, sahen mich mit einer Mischung aus Belustigung und Mitleid an. Ich setzte mich an einen freien Tisch in der Ecke. Über der Tür, die zum WC führte, flackerte ein Fernsehapparat, dessen Ton abgestellt war. Man zeigte Bilder verschiedener Attentate: Blutspuren auf einem Marmorboden, ein explodiertes Auto, einen älteren Herrn mit bunter Brille und modischer Frisur, der sich vor laufender Kamera die Tränen vom Gesicht wischte - ein Augenzeuge vermutlich.
Die Männer am Tresen ignorierten die Fern-sehbilder, unterhielten sich über Fußball, prosteten einander zu und bestellten eine weitere Runde Bier. Ich ließ mir einen cortado bringen, sah mich nach Zeitungen oder Illustrierten um, fand aber keine. Ich war nicht in der Stimmung, die Gäste oder den Wirt in ein Gespräch zu verwickeln. Die Stimmen, das Zischen der Kaffeemaschine und das Flimmern des Fernsehers schläferten mich ein.
Als ich das Lokal verließ, war es kurz nach Mitter-nacht. Federicos Wohnung lag nur wenige hundert Meter entfernt. Bestimmt hatte Sonja sich längst schlafen gelegt. Wir kannten uns flüchtig, doch es war das erste Mal, daß wir zusammenarbeiteten.
Ich nahm eine Abkürzung und ging schräg über die schlammige Wiese. Am äußersten Ende lag ein kleines Haus mit einem winzigen Garten. Ein Flügel der Gartentür stand offen. Im Hausflur brannte Licht. Ich hielt inne, als ich von irgendwo das jähe Lachen einer Frau hörte. Dann vernahm ich ein Stampfen auf dem feuchten Gras. Von fern erklang Musik, schriller Gesang. Mir fiel ein, daß in dieser Nacht der Vorwahlkampf endete und der offizielle Wahl-kampf begann. Diese Erklärung beruhigte mich - bis plötz-lich aus der Dunkelheit zwei Gestalten auf mich zukamen. Sie schienen eher zu fliegen als zu gehen. Ihre Gesichter verschwanden hinter dichten Rauchwolken, sie wurden immer größer. Ich wollte gerade zu laufen beginnen, als die beiden stehenblieben. Sie bewegten die Arme in einem großen Bogen, zeichneten Kreise in die Nacht. Von hinten hallten immer lauter werdende Geräusche wider. Ich hatte das Gefühl, als kämen sie direkt auf mich zu. Ein Jugendlicher rannte an mir vorbei. Er hatte einen Walkman auf und hielt ein Fähnchen an einem Stöckchen in der Hand. Immer mehr Leute liefen an mir vorbei, manche mit nackten Beinen, hüpfend, stampfend, springend, wie bei einer Massen-gymnastik-Darbietung.
In Federicos Straße roch es nach Obst und gebrannten Nüssen. Neben einem Verkaufsstand auf Rädern stand eine große Frau mit einem weiten Rock. Einige Sekunden lang sah ich ihr überrascht zu, wie sie eine Bananenstaude befingerte. Ein mit Plastiktüten beladener Bettler in einem verschlissenen Wintermantel kam die Straße entlang. Er grinste breit. Seine Augen waren geschwollen und standen vor wie Froschaugen. Meine Müdigkeit wich ratlosem Stau-nen.
Als die Musik ganz nah war, legte die Frau die Bananen zu Boden und fing an, unter einer Straßenlaterne ihre Hüften zu schwingen. Ihr Rock wirbelte und schien sich in ein Blumenfeld zu verwandeln. Der Bettler hielt ebenfalls inne und schaute ihr dabei zu, wie sie tanzte. Ich stand nur wenige Schritte von ihm entfernt. Er roch nach nasser Wolle. Die Frau forderte uns auf, uns ihren Bewegungen anzuschließen. Wir standen da wie Schaufensterpuppen. An der Hauswand hinter ihrem Wägelchen hing ein Plakat der sozialistischen Partei: España en positivo. Ich bedauerte es, daß Sonja mich nicht begleitete, ich nicht wenigstens eine ihrer Kameras dabei hatte.
Am nächsten Morgen wachten wir erst spät auf. Federico überraschte uns mit der Nachricht, daß er einen Termin für uns vereinbart hätte. Professor Astor Pulido, ein renommierter Wirtschaftswissenschaftler, der bereits unter Fran-co für seine progressiven Theorien bekannt war, würde uns gegen 18 Uhr bei sich zuhause erwarten.
Den Tag verbrachten wir in Pozuelo. Federico gab uns ein paar Tips. Aus Erfahrung wußten wir, daß man frem-de Orte am besten kennenlernt, wenn man zu Fuß darin herummarschiert. Daran hielten wir uns. Sonja hängte sich ihre Fototasche um, ich borgte mir von Federico einen Schal und einen Schirm. Dann gingen wir los. Am frühen Morgen hatte es erneut geregnet, kleine Rinnsale von grünlichem, stinkendem Wasser flossen durch die Ritzen des Kopfsteinpflasters. Der Regen tropfte von den Fenstergittern an den weißgetünchten Hauswänden herunter und hinterließ gelbliche Spuren.
Nachdem wir Federicos Viertel verlassen hatten, stießen wir auf eine mehrspurige, von Palmen gesäumte Straße. Es war kurz nach 14 Uhr, die Sonne zwängte sich durch die auseinanderreißende Wolkenschicht. Die Avenida de la Constitución bestand aus mehreren Blöcken von anonymen grauen Betonbauten, einem Zeitungskiosk und einer Bank. Alle Büros und die Bank schienen geschlossen zu sein. Am Kiosk kaufte ich mehrere Zeitungen, für die ich mir eine Plastiktüte geben ließ. Wir bogen in jene Seitenstraße ab, an deren Ende wir die von Federico erwähnte Iglesia de la Merced vermuteten. Auf dem Bürgersteig lungerten Kinder und alte Frauen, die sich an die Hauswände lehnten oder auf Stühlen saßen. Die meisten trugen einfache schwarze Kleider. Eines der Kinder pfiff uns hinterher. Als wir uns umdrehten, streckte es uns die geballte Faust entgegen und lachte. Auch die Frauen lachten, aber verstohlener. Eine Frau wirkte etwas unheimlich. Sie war sehr dick und trug eine dunkle Sonnenbrille. Kurze Zeit später bemerkten wir, daß sie uns folgte. Sonja nahm einen der Apparate aus ihrer Tasche. "Taxi? Hotel?" fragte die Frau, als sie nah genug an uns herangetreten war. Ihr Atem roch leicht nach Tabak und Pfefferminz. Sie folgte ins hinkend, als wir nicht auf ihre Frage reagierten. Die Straße mündete auf einen kleinen Platz. Als wir uns noch einmal umdreh-ten, war die Frau verschwunden. Über der Mitte des Platzes, den ein hübscher gekachelter Brunnen schmückte, wehten Plastikschilder mit den Namenskürzeln und Slogans der verschiedenen Parteien. An den Laternen waren Kar-tons mit den Porträts der Politiker befestigt. Sonja machte ein paar Aufnahmen.
Es handelte sich tatsächlich um die Iglesia de la Merced, doch die Holztüren am Haupteingang der kleinen Kathedrale waren fest verschlossen. Bei früheren Auf-enthalten in Spanien hatte ich die Erfahrung gemacht, daß die Kirchen, zu denen man nur schwer Zutritt hatte, immer einen kleinen Seiteneingang besaßen. Hier konnten der Priester oder seine Haushälterin im Notfall hinein- und hinausschleichen, ohne daß irgend jemand davon Wind be-kam.
Auf der Suche nach diesem Eingang gingen wir einmal um das Gebäude herum und gelangten in eine enge Nebengasse, in der außer einem Maultier, das an eine Wand gekettet war, kein lebendiges Wesen zu sehen war. In der Nähe des Tieres entdeckten wir schließlich ein kleines Eisentor vor einem winzigen Hof, in den die Sonne schien. Dahinter fanden wir die versteckte Seitentür der Kathe-drale. Im Hof lagen zwei schmutzige, etwa vier Jahre alte Jungen. Sie trugen nichts weiter als gelbliche Unterhosen und schliefen an einer schattigen Stelle auf dem Stein-boden.
Im Innern des barocken Gotteshauses, auf einer der Mauern neben dem Seiteneingang, befand sich eine riesige Wandmalerei: eine Abbildung der Hölle. "Unreinheit" wur-de von einem Affen dargestellt, der sich über einem nackten Mann - er hatte die Gesichtszüge eines Zigeuners - erbrach, "Ehebruch" von einem Wolf, der einer weißen Frau mit langen, blauschwarzen Haaren in die Brustwarze biß. Wir setzten uns in eine der vorderen Bänke und sahen uns schweigend um. Zu unserem Erstaunen trat plötzlich einer der Jungen, die zuvor draußen im Schatten geschlafen hatten, hinter dem Altar hervor. Er war nach wie vor bloß mit seiner Unterhose bekleidet. Ihm folgte eine große, dunkel gekleidete Frau. Sie kam die drei Marmorstufen her-unter, setzte sich neben uns, streifte ihren Pullover hoch, rief das Kind zu sich und stillte es an ihrer gewaltigen Brust. In der Luft hing der Geruch nach altem Käse und Urin. Kurz darauf tauchte der zweite Junge auf. Er kniete sich in den Mittelgang und begann, ein Ei zu pellen. Als er hineinbiß, roch es zusätzlich nach Schwefel.
Jedes noch so kleine spanische Dorf hat seine Plaza de España. Auf der Plaza de España in Pozuelo, einem mit reliefverzierten Betonplatten ausgelegten Platz unweit der "Kirche der Gnade", standen am Nachmittag je-nes Februartages Campingtische, aufgebockte Bretter und Karren herum - eine Art Flohmarkt, auf dem alles mögliche zum Verkauf angeboten wurde: von bunten Plastikeimern, Plastikschuhen in den absurdesten Größen bis hin zu kit-schigen Jesus- und Muttergottesporträts in unnatürlichen Farben.
Wir hatten die Frau und die beiden Jungen vor dem Altar zurückgelassen und schlenderten eine Weile zwischen den Ständen umher. Bei einem alten Mann mit einer farbigen gehäkelten Mütze, der seine Waren auf einem Tep-pich ausgebreitet hatte, erstand Sonja eine aus Weiden geflochtene Figur in Form eines Vogels. Der Alte behauptete, daß er uns Glück bringen würde, wenn wir ihn zuhause aufhingen. "Aber er wird nur dann fliegen, wenn Sie schla-fen", erklärte er mit funkelnden Augen.
Dann färbte der Himmel sich plötzlich dunkelviolett und tauchte die Umgebung in ein unwirklich scheinendes Licht. Zunächst konnte man den Regen nur riechen, doch schon im nächsten Augenblick fielen die ersten kühlen Tropfen. Ziellos setzten wir unseren Weg fort. Sonja versuchte, ihre Ausrüstung so gut wie möglich vor der Nässe zu schützen. Ich hielt den in Zeitungspapier gewickelten Vogel unter den Arm geklemmt, während der Wind immer heftiger an den dünnen Stangen des Schirms zerrte. Sie drohten um-zuknicken wie Streichhölzer. Bald mußten wir uns eingestehen, daß wir die Orientierung verloren hatten. Doch so groß und unübersichtlich würde Pozuelo schon nicht sein! Auf der Suche nach einem Café liefen wir mehrere Seiten-straßen entlang, dicht an die Hausfassaden gedrückt. Mit einem Mal war keine Menschenseele mehr zu sehen. Wir waren müde, hatten Hunger und Lust auf ein warmes Getränk. Doch um diese Zeit schien in ganz Pozuelo kein einziges Lokal geöffnet zu sein.
Jenseits einer Kreuzung, die wir im Laufschritt überquerten, gelangten wir in eine Siedlung, deren niedrige Ziegelhäuser offenbar leerstanden. Die Wege waren ungeteert - ein einziger, knöcheltiefer Morast. Es roch nach Abwässern. Nicht einmal Wahlplakate waren zu sehen, und ich bezweifelte, daß es überhaupt irgendwelche Politiker gab, die sich für diesen verlorenen Flecken Erde verantwortlich fühlten. Am Ende blieb uns nichts anderes übrig, als unter dem strömenden Regen an die Kreuzung zurückzulaufen und zu warten, bis ein Taxi vorbeikam.
Der Fahrer hielt eine Zigarette im Mund, sein pene-trantes Aftershave verschlug mir einige Sekunden lang den Atem. Er trug einen dicken Rollkragenpullover und klagte - natürlich - über das Wetter. So kamen wir miteinander ins Gespräch. Er stellte sich uns als Karlos vor - "Karlos mit K": seine Eltern stammten aus Berlin und waren zu Beginn des Jahres 1939, wenige Monate vor seiner Geburt, nach Andalusien ausgewandert. "Fragt mich nicht, wieso gerade nach Andalusien. Aber mein Vater kaufte dort ein kleines Stück Land", erzählte uns Karlos. "Ein paar Jahre lang half ich ihm in der Erntezeit. Ansonsten gab es in Andalusien nicht viel zu tun - außer darauf zu warten, bis die Zeit kam, das Land zu verlassen und in einem fremden Land zu arbeiten. Leider habe ich es nur bis Madrid geschafft." Die Schuld daran gab unser Fahrer den Regierenden. "Doch es wird sich nie etwas ändern", behauptete er. "Die Leute sind Ignoranten. Sie verstehen nichts von Politik". Wen er denn am 3. März wählen würde, wollten wir von Karlos wissen. Er sagte, er würde sich zwar ins Wahllokal begeben, seinen Stimmzettel aber mit ein paar saftigen Frechheiten vollkrit-zeln. Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, drückte er dreimal kräftig auf die Autohupe und lachte. "Verheiratet oder einfach ein Liebespärchen?" fragte er unvermutet und mit einem schelmischen Blick über seine rechte Schulter. "Weder noch", erklärte ich, woraufhin er bloß die Achseln zuckte und verstummte.
Seinen Wagen hatte Karlos nach Emilio Butragueño genannt, einem berühmten Fußballer von Real Madrid, der seit einigen Monaten in der mexikanischen Liga spielte. Auf der schmalen Konsole zwischen den Vordersitzen klebte ein Bild des Spielers, das aus einem Sportmagazin ausge-schnitten worden war.
Sonja breitete sämtliches Zubehör aus ihrer Fototasche zwischen uns auf der Rückbank aus und prüfte, ob die Linsen, Objektive, Lichtmesser die Schauer unbeschadet überstanden hatten. Ich sah, daß das Zeitungspapier, das um den Glücksvogel gewickelt war, sich allmählich auflöste. Der Schirm zu meinen Füßen ließ eine immer größer werdende Pfütze entstehen. Zum Glück war es zu Federicos Wohnung nicht mehr weit.
Nach einer heißen Dusche zogen wir uns um und setzten uns zu unserem Gastgeber ins Wohnzimmer. Er hatte Kaffee gekocht und chorizo-Stückchen mit halben Oliven auf knusprige, in kleine Vierecke geschnittene Toastscheiben verteilt. Wir erfuhren, daß Federico am nächsten Morgen zu einem mehrtägigen Seminar nach Mailand reisen würde. Er schlug vor, uns seine Wohnung auch während seiner Ab-wesenheit zu überlassen, doch dieses Angebot konnten wir nicht annehmen. "Für unsere Arbeit ist es besser, wenn wir in einem Hotel wohnen", sagte Sonja. Federico respektierte unsere Entscheidung und empfahl uns mehrere Häuser außerhalb Madrids. Eines davon schien uns auf Anhieb interessant: es lag in Coslada, und sein Besitzer kandidierte für einen Sitz in der Abgeordnetenkammer. "Hotel Tierra del Fuego", erklärte Federico, "ein außer-ordentliches Etablissement. Es wird euch gefallen."
Über Coslada hatte ich gelesen. Ich war gespannt zu sehen, inwiefern das Gelesene mit der Realität übereinstimmen würde.
Gegen fünf bestellten wir das Taxi, das uns nach Leganés, zu Professor Pulido, bringen sollte. Federico half uns, die Koffer nach unten zu tragen. Wir verabschiedeten uns und bedankten uns für die Gastfreundschaft. Als wir Pozuelo hinter uns gelassen hatten, mutmaßte Sonja, Fede-ricos Reise nach Mailand sei möglicherweise nur ein Vorwand, uns auf elegante Weise loszuwerden. "Aber er wollte uns seine Wohnung doch weiterhin zur Verfügung stellen", erwiderte ich. "Er wußte ganz genau, daß wir das ablehnen würden", meinte meine Begleiterin. "Na wenn schon!" antwortete ich, froh darüber, Neues kennenzulernen.
Der Taxifahrer war schwarz und schwieg, vermutlich weil er glaubte, nicht genug Spanisch zu können. Diesmal lag der geflochtene Vogel auf Sonjas Schoß, in der Plastiktüte mit meinen Zeitungen. Wir kamen nur langsam voran, alle paar Kilometer Baustellen, die den Verkehr behinderten. Dann wieder eingezäuntes Brachland, rätselhaft leere Flächen mit Gestrüpp und Unterholz. Es regnete schon wieder. In einigen Wohngegenden war der Schutt so hoch aufgetürmt, daß er über die Bretterzäune hinausragte und stellenweise auf den Gehsteig fiel: Teile von Kühlschränken, Kochherden und Fernsehapparaten. Vor den Eingangstüren der Hoch-häuser warteten Jugendliche mit Skateboards und Inline-Rollern. Einige waren mit altmodischen Trainingsanzügen bekleidet, andere trugen abgewetzte Parkas und Zipfelmützen. Sie standen da, hofften auf besseres Wetter und beobachteten den vorbeiziehenden Verkehr.
Es ist kein Zufall, daß in den Vororten von Madrid eine der höchsten Kriminalitätsraten Spaniens herrscht.
Wir fuhren durch verwinkelte Sträßchen und einen kurzen Tunnel, bevor wir in südliche Richtung auf die Auto-bahn abbogen. Sofort nahm der Verkehr zu. Lastkraftwagen donnerten vorbei, Sattelschlepper mit spanischen, portugiesischen, französischen, auch arabischen Kennzeichen. Ein paar Einzelheiten kritzelte ich in meinen Notizblock. Ich wußte, daß Sonja nicht viel von Schnappschüssen, Zufalls-bildern hielt. Ihre Hände ruhten auf dem geflochtenen Vo-gel. Und der Regen prasselte mit einer solchen Wucht auf das Dach des Taxis, daß es klang, als werfe jemand Münzen aus dem Himmel.
Kurz hinter der Ausfahrt nach Toledo verließen wir die Autobahn Richtung Leganés. Auf den ersten Blick unterschied sich diese Kleinstadt nicht wesentlich von Pozuelo und den anderen Madrider Vororten, durch die wir gekommen waren. Industriebetriebe, riesige Lagerhallen, rauchende Schlote und ein Gewirr aus stark befahrenen Asphaltbändern, die sich wellenartig über die gerodeten Koppen legten.
Es dauerte eine Weile, bis wir zur Adresse des Professors fanden. Ganz in der Nähe gab es eine Statue von Juan Bálmer Otero, auf die der Taxichauffeur uns aufmerksam machte. Später erfuhren wir, daß Bálmer Otero, der aus Leganés stammte, Francisco Pizarro bei der Eroberung des Inkareiches begleitet hatte und 1541, wie Pizarro
selbst, in Lima ermordet worden war.
Eine alte Frau öffnete die Tür zum Treppenhaus. Ihre Haare waren gelb wie Weizen. Sie sagte, der Professor würde bereits ungeduldig auf seine Besucher warten. Wir stellten unser Gepäck im Flur ab. Es fiel kaum Licht durch das Fensterchen, und Sonja und ich folgten der Frau auf der Treppe zur ersten Etage. Auf der obersten Stufe standen Gartenstiefel, von der Flurdecke hing ein aufgespannter Re-genschutz, gelb, gesprenkelt von Dreckspritzern, groß wie ein Kinderzelt.
Astor Pulido war ein kleiner, stämmiger Mann mit verschlagenem Blick. Seine Wohnung schien aus einem einzigen Raum zu bestehen, der gleichzeitig als Büro, Schlaf- und Eßzimmer diente. In der Mitte des Raumes stand ein massiver Holztisch, darauf Spuren einer eben beendeten Mahlzeit: ein Glas Wasser, ein Teller mit Käse-rinden und Brotkrümeln, neben dem Teller Orangenschalen. Vor dem Fenster ein Schreibtisch mit einem Behälter für Schreibutensilien, mehreren Büchern, losen Blättern, einem Telefon und einem Porträt von König Juan Carlos und Königin Sofía.
Ich sah, wie der Professor die Frau, die uns hinaufgeführt hatte und in der Tür stehengeblieben war, mit einer kurzen Handbewegung wegschickte. Wir folgten ihm quer durch den Raum, in die Nähe des Bettes, wo drei Sessel um einen kleinen Kaffeetisch gruppiert waren. Über dem Bett hing ein Foto von Franco - strengen Blickes schien der Diktator mit dem humorlosen Gesicht über den Schlaf seines einstigen Weggenossen zu wachen. Sonja sah sich das Bild des alten caudillo genauer an. "Es erinnert mich täglich daran, wer ich einst war und was dieses Land früher einmal gewesen ist", erklärte der Professor geheimnisvoll. Aus dem Ton seiner Stimme war weder Genugtuung noch Bedauern herauszuhören. "Wußten Sie übrigens, daß der Mensch das einzige Lebewesen ist, das seine Großmutter kennt? Und natürlich auch seinen Großvater", fuhr er angesichts unseres Schweigens unvermittelt fort. "Nun, wir wollten uns mit Ihnen über die Zukunft Spaniens unterhalten", sagte ich, als wir Platz genommen hatten und Sonja einen ihrer Fotoapparate aus der Tasche nahm.
An der Wand gegenüber dem Bett des Professors standen vier Kisten, die mich an Karteikästen erinnerten. Jede war etwa einen Meter hoch und einen Meter breit und sah sehr alt aus. Unzählige Berührungen hatten dem dunklen Holz im Lauf der Jahrzehnte einen sanften Schimmer verliehen. Als Sonja bat, ein paar Aufnahmen machen zu dürfen, nahm der Professor in einem der Sessel Platz, fuhr sich kurz durch das schüttere Haar, faltete die Hände vor der Brust und sah der Fotografin mit einem verschmitzten Lächeln bei der Arbeit zu. Es entstand eine unangenehme Pause, die vom erneuten Auftauchen der alten Frau unterbrochen wurde. Sie brachte ein Tablett mit Getränken und verschiedenen Kristallschälchen, die sie wortlos auf dem Kaffeetischchen verteilte. "Bedienen Sie sich", sagte der Professor und deutete auf die appetitlich angerichteten Oliven, Silberzwiebeln, Erdnüsse und marinierten Sardellen. Von draußen waren die wehmütigen Klänge eines Bandoneons zu hören.
Während wir aßen und tranken, erklärte uns Professor Pulido, wie seiner Meinung nach die Ernährungsprobleme der Dritten Welt zu lösen wären. Mit Insekten! Insekten waren das Thema, mit dem er sich seit seiner Pensionierung beschäftigte. Deshalb also die Gartenstiefel und die Regenjacke auf der Treppe! "Ein bisher allzusehr vernachlässigter Zweig der Wirtschaftswissenschaften, Abteilung Produktion, Verteilung und Konsum der Nahrungsgüter", dozierte er. Sonja leerte ihr Glas Wasser in einem Zug. "Dabei werden heute schon in vielen Teilen der Welt ganz selbstverständlich Heuschrecken und Spinnen gegessen", fuhr der Professor fort, "am Orinoko, auf den Kanarischen Inseln, in Afrika, Australien, Thailand, Neukaledonien. In Kolumbien knabbern die Leute im Kino geröstete Ameisen. Wußten Sie, daß Heuschrecken, die schon Johannes den Täufer in der Wüste vor dem Hungertod retteten, zu fünfundsechzig Prozent aus Eiweiß bestehen? Auch der Heilige Antonius von Ägypten lebte zwanzig Jahre lang als Einsiedler in der thebaischen Wüste und ernährt
aus:
"Wenn Erinnerungen schwimmen können..."
Reiseliterature
Editions Phi, 1997
270 Seiten - 21 EURO
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