JEAN-PAUL JACOBS
ZUM AUTOR
Geboren am 23.1.1941 in Esch-sur-Alzette, Luxemburg.
Abitur am Gymnasium in Esch.
Studium der Geschichte, Philosophie, Musikwissenschaften an der Universität Bonn.
1967 von H.C. Artmann nach Berlin geholt, seitdem dort lebend.
Verschiedene Tätigkeiten; seit 1975 in der Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz.
Publikationen:
- Apoll kaputt, Gedichte, Luxemburg 1964
- Die Toten schießen schneller, Erzählung, Impuls 7, Luxemburg, 1970
- Spectres (in französischer Sprache) Luxemburg, 1971
- Die Bärenhäuterin, Erzählung, Sylvia Jacobi Verlag, Berlin 1983
- Himmelsruinen, Gedichte, Kouros Press, Berlin 1983
- Der Trüffelhirsch, Gedichte, Sylvia Jacobi Verlag, Berlin 1993
- Die Feste der Engel, Gedichte, Op der Lay, Esch/Sauer 1995
- De Jean-Paul rifft de Roger un, Editions Phi, Echternach 1993
- Firwat as dem Denise séng Bitzmaschin da geckeg gin? Editions Phi, Echternach 1997
- Le Concert Imaginaire, Konzert für Goethe, Sylvia Jacobi Verlag, Berlin 1999
LESEPROBE AUS
Jenes Gedicht & mit Nichts
2004 - 136 Seiten - ISBN 2-87962-180-1 - 12 EURO
Prix Servais 2005
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O
in allerhöchster Pracht und Verzückung
aber das Schreiben wird
immer hirnrissiger, immer aparter, immer
sinnloser, immer poröser,
immer leidenschaftlicher, immer herrschsüchtiger,
immer gespenstischer, immer rätselhafter,
immer hochtrabender, immer verworrener,
immer utopischer, immer eitler, immer ängstlicher,
immer unerträglicher, immer operettenhafter,
immer prätentiöser, immer medusenhafter,
immer babylonischer, immer verkarsteter,
immer besoffener, immer
verantwortungsloser
o
in Schäfertracht
ein altmeisterliches Gespenst
auf dem Rocaillenberg
an den marmornen Nachtschatten
des Adonis gelehnt
ach
der arg zerzauste kammermusikalische Fuchs
hinkt durch die schwarz gekachelte Landschaft
vom Opernball nach Hause
ein Wolkenbruch klatscht ihn an die Phobien
des Dichters
noch hält sich die antimaterielle, aberwitzige und
spritzige, spröde und fröstelnde,
im strukturalistischen Diskurs dornröschenhafte,
die verwöhnte, geföhnte, schaurige und traurige,
apostrophische, apostolische, apokalyptische und
apostatische,
die keusche und knackige, königsblaue
und aquamarine,
alpine und ozeanische, kotzende und protzende,
Madame Tallien oder
dem Prinzen Eugen ähnliche Eule
hoch oben in der akkurat von göttlicher Hand
nach der Natur gemalten Galaxie
da packt sie ein Kometenschweif
und schleudert sie
in den unerklärlich reichlich verzierten
apokryphen Text
aber nein
aber vielleicht doch
was Sie nun aber hören, hochwürdige Äbtissin,
in dieser preiswürdigen, verblichenen Nachtkulisse
das sind erhabene Moorhühner
die, ob Sie es glauben oder nicht,
ob Sie es lesen oder nicht,
ob Sie es verstehen oder nicht,
den Sternen vor dem Schlafengehen
ein zweiunddreissigstimmiges Madrigal
singen
und schon sehen wir,
die wir mehr als verwirrt sind,
die in exorbitante Pelze gehüllten Prinzessinnen
aus ihren Pantherschwänen
in die dämmernde Schneelandschaft
der Sonne steigen
o
die Augen der Quasare
verfolgen die wollüstigen Gepardinnen
bis hinein in die entgeisterten Museen
o
plötzlich ein ausgestopftes Hermelin, von Salome
vor die grausamen Ameisenköniginnen gezaubert,
und endlos tief hinab
wölbt sich die Kuppel des Walddomes
in die allertiefste Depression
und nun, hochwürdige Äbtissin,
befinden wir uns auf einer Lichtung
aus purpurnen Paroxysmen
und goldenen Hirngespinsten
o
in all diesen bröckelnden Fresken
sehen Sie noch prächtige Gestalten
geistreich in freier Natur speisen
eisgekühlte Lustknaben servieren an eklatanten
Peripherien hysterisches ptolemäisches Konfekt
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