NICO HELMINGER



BIO- & BIBLIOGRAPHIE

    geboren 1953 in differdingen (luxemburg), studierte germanistik, romanistik und theaterwissenschaft in luxemburg, saarbrücken, wien und berlin, lebt in paris, schreibt in luxemburger und deutscher sprache, veröffentlichte u.a.:

    einer blättert im fahndungsbuch, gedichte, edition kontext, 1979
    e rosa dräieck, erzielung, edition mol, 1979
    rulett, hörspiel, 1980 (erstsendung: rtl)
    fräizäit, hörspiel, 1980 (erstsendung: rtl)
    rosch oder déi lescht rees, theater, edition kontext, 1981 (uraufführung: theater gmbh, 1982)
    ikaros mit schnellkochtopf, gedichte, buch aus eisen von jeannot bewing, 1982
    louschkäiltëmplëscht, theater, 1983 (uraufführung: theater gmbh)
    autogramm, theater, 1985 (uraufführung: fads-theater, 1986)
    landschaft mit seilbahn, gedichte, phi, 1986
    happy birthday, theater, 1986, (uraufführung: TOL)
    de schantchen, theater, phi, 1989 (uraufführung: kapuzinertheater)
    frascht, roman, phi, 1990 hugo's balls, gedichte, adda-verlag, 1992
    patton & co, gedichte, phi, 1992
    miss minett, theater, phi, 1993 (uraufführung: theater gmbh/TME)
    melusina, opernlibretto, phi, 1995 (uraufführung: TME)
    in eigener säure, gedichte, phi, 1996
    iwwer land, erzählungen, phi, 1998
    leschten enns käe liewen, theater, phi, 2001
    kitsch, theater, phi, 2001




AUS "IN EIGENER SÄURE"


    nagauta 6

    windsTille dämmersTunde
    im kopf unTerm blAssen
    doTTer Aus milChGlAs
    vorGeformTes Gefunden
    und neu formulierT
    Als vorläufiGes bündnis
    von lAndsChAfT und iCh
    GeGen den Tod

    GeGen die dürre des rAumes
    ziehsT du unweiGerliCh
    überlebender unTerm blAssen
    doTTer Aus milChGlAs
    dir die sonnenAufGänGe
    Ausm GlAsbehälTer wArm
    und weiCh wie kArToffelbrei

    eisblumenfensTer bäume
    von den wuCherunGen
    des wAssers enTsTellT
    im frosT krAChendes GeäsT
    mAGnesium-GrAu dAs
    mondGesChwür es isT sChwer
    Geworden drAußen jeTzT
    TrAGen wir wieder körper

    dAs hin und wir und
    wieder iCh kurzATmiG
    in der GesproChenen
    welT ein zerreißen
    einreihen zerreißen
    in höChsTen herzTönen
    sTehen die drähTe
    Aus dem körper
    jubelnd hervor

    es wimmelT von AusGänGen
    ein jeder nimmT mir die siChT
    die sonderbAren miTTeilunGen
    eines (meines?) körpers
    (moorkörper jeTzT in siCh selbsT
    versunkenes überleben)
    überrAsChen niChT nAChTblind
    und TAGverblendeT verbleibe
    iCh einGeriChTeT in der
    häusliChkeiT dieser sChwärze

    Gebe miCh GesChäfTiG Aus
    höfliChkeiT wArTe miT
    AdrenAlinsChübChen und
    pepTidenverbindunGen Auf
    jemAnd bedienT siCh meiner
    sTimme und sChreiT: mein
    nAGAuTA! mein leiCh!
    einversTAnden sAG iCh
    für die dAuer dieser liChTkur
    leih iCh dir meinen ATem!
    dAnn flATTerT sChon wieder
    dAs herz messersChArf
    sChneideT dAs GedäChTnis
    siCh Aus mir bleibT dAs
    dunkle enTzweiTe denken
    der klAffenden wunde

    Alles wAs jeTzT GesChiehT
    GesChiehT in buTTerfArbe
    die deCke die wände
    windunGen verbände
    windelweiChes bemühn
    um mein kopfkissen Aus
    kACheln und reif die welT
    liebsTer bAsCho bieTeT
    mir keinen hAlT mehr
    Ab jeTzT sChreib iCh
    nur noCh im kopf

    synApsen-fAndAnGo
    mein puls Auf bild-
    sChirmhöhe börsen-
    TräChTiGes dAkApo
    Auf CembAlo sCArlATTi
    buTTerfArbenes erTAsTen
    von ATemklumpen un-
    weiGerliCh summT dAs
    überleben vor siCh hin
    in der bereiTsChAfT
    der GeräTe

    AufTAuArbeiT mörTel-
    körper jeTzT Golem
    und Genom dAs herz
    in ulTrAsChAllbeweGunG
    Als fisChmAul sChnAppend
    nACh mehr und mehr
    Tosender beisTAnd der
    GäsTe frosTklAr im bliCk

    meine besuCher sind
    voller zärTliChkeiT
    bemühen siCh miT blumen
    um dAs AnGesChniTTene herz
    AusGehorChT von säTzen
    sehe iCh ihnen ihre
    befAnGenheiT nACh
    wenn sie versChämT
    und leise versChwinden
    in meiner kopfloChnelke
    Aus mull und liChT

    winziGe risse im blAssen
    doTTer Aus milChGlAs siCh
    spieGelnde AuGensChAle
    Adern liChTGefüllT in die
    lAndsChAfT Gerissene
    GesChiChTen die diCh
    erfinden windelweiCh
    im floCkenGeflimmer
    vor lAuTer leben erlediGT



    * * *



    nagauta 7

    ZWISCHEN schläfe und
    schläfe mein schlupfloch aus schlaf
    - im traum der hagel!

    die wege verschneit
    nur ab und zu noch findest
    du zu einem satz

    so fremd das auge
    das auftaucht aus dem nebel-
    gesicht des spiegels

    der schrei des affen
    grell durch mark und bein wie ich
    in mich zurückfiel

    ein windstoß nur und
    kirschblüten bringen den schnee
    zum schmelzen - siehst du!

    aus dem schlaf ins licht
    gerissen erkenntnisreich
    - funkelnder zahnschmerz!
    (der weise)

    102dieses warme und
    leichte rascheln der nacht als
    wüchse tee im kopf!
    (der verliebte)

    am ende treffen
    wir uns im verstummen der
    mondsilbe zum kuß
    (kino)

    nachtfaltertänze
    im brautkleid aus sommerluft
    unser abschied - ach!

    fern jeder absicht
    erzählt sich uns das leben
    - zwei drei büschel gras

    mit dem herbst wächst der
    schatten unsrer umarmung
    bis zur auflösung

    schwarzes herbstlaub jetzt
    ruhn wir für eine weile
    uns aus den worten

    hier in der ferne
    im schlupf zwischen felsgestein
    allein lebend hier
    wo niemand mich sehen kann
    werd ich denken an dinge
    (saigyo der irrende)




    IN EIGENER SÄURE
    mit Tuschezeichnungen von Fränz Dasbourg
    Reihe Graphiti
    112 Seiten - ISBN 3-88865-141-7 - 12 EURO
    Bestellungen über éditions phi



    * * * *



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